Wie ist es eigentlich, zum ersten Mal verliebt zu sein?

erschien in der «annabelle», Ausgabe 1/2016

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Nathalie (12), Schülerin aus Frick AG:
Am Anfang war er für mich ein Junge wie jeder andere. Doch dann merkte ich, dass mein Herz schneller schlägt, wenn er in meiner Nähe ist. Das war im Herbstlager vor zwei Jahren. Auch bei ihm war das wohl so. Ein Kollege von ihm kam zu mir und richtete mir von ihm aus, dass er mich herzig finde. Ich sagte, dass ich ihn auch ganz okay fände. Und seither bin ich verliebt.
Bevor ich ihn kannte, war ich auch schon verknallt, aber nicht so fest wie jetzt. Ich weiss nicht, was an ihm anders ist. Ich habe auch andere Jungen als Freunde. Aber ihn mag ich einfach mehr. Ich freue mich mehr, wenn ich ihn sehe.
Nach dem Lager sah ich ihn aber nicht mehr oft, weil wir nicht am selben Ort wohnen. Doch im letzten Sommer wechselte er an meine Schule, gleich in die Klasse über mir. So sehen wir uns fast jeden Tag. Das finde ich toll.

Er fragte mich dann noch über Whatsapp, also ganz offiziell, ob ich mit ihm gehen wolle. Ich war gerade mit meiner Kollegin in meinem Zimmer, als ich die Nachricht las. Ich schrieb zurück: Ja. Das war so cool! Meine Freundin flippte total aus, weil sie sich so fest für mich freute. Sie war so laut, dass meine Mutter in mein Zimmer kam und wissen wollte, was denn los sei. Oh Mann, das war so peinlich, meine Backen wurden ganz rot! Erst zwei Tage später, beim Zubettgehen, sagte ich ihr, dass ich nun einen Freund hätte. Sie freute sich sehr. Am nächsten Tag wusste es auch schon mein Vater.

Mein bester Kollege, mit dem ich schon die Primarschule besucht habe, war irgendwie nicht so begeistert, als er erfuhr, dass ich in einer Beziehung bin. Er erzählte mir, dass er mich auch noch fragen wollte, ob ich seine Freundin sein wolle. Doch hätte ich seine Liebesbriefe in der dritten Klasse ignoriert und ihm nie geantwortet. Inzwischen kommt er aber klar damit. Denke ich.
Auch wenn ich meinen Freund mittlerweile schon lange kenne, hat er mich noch nie gefragt, ob er mich küssen dürfe. Da bin ich sehr froh, denn Küssen ist echt eklig. Ich weiss das, denn wir spielten einmal das Flaschenspiel. Da musste mich ein Kollege auf die Lippen küssen… Das war mir so unangenehm! Ich denke nicht, dass ich das Küssen je toll finden werde. Oder vielleicht doch. Ich weiss es nicht.

Ich spiele viel lieber Fussball mit meinem Freund oder quatsche mit ihm – obwohl er nicht so aussieht wie mein Traummann Til Schweiger, dieser Schauspieler aus «Kokowääh». Klar, ein Mann muss ja nicht nur gut aussehen. Er muss auch einen guten Charakter haben. Was das heisst? Na einfach, dass er nett ist. Wie mein Freund halt. Zum Geburtstag hat er mir ein Schoggiherz geschenkt. Das bewahre ich in meinem Zimmer neben einem Foto von ihm auf.
Wir beide haben auch schon zweimal Händchen gehalten. Das reicht auch, glaube ich. Warum man das macht, weiss ich eigentlich nicht. Ich kenne das einfach noch vom Kindergarten her, als wir uns in Zweierreihen aufstellen mussten.

Allgemein kann ich die Erwachsenen bei der Liebe nicht ganz verstehen. Wenn sie verliebt sind, machen sie komische Sachen. Meine Eltern zum Beispiel haben geheiratet und wohnen jetzt zusammen. Man soll das ganze Leben mit einem Mann verbringen? Und was ist, wenn dieser Mann komisch ist? Nein danke. Da stelle ich mir lieber vor, dass ich mit einer Freundin zusammenwohne und einen Freund habe, der mich ab und zu besucht.

In der Schule habe ich gehört, wie die Grossen über Liebeskummer redeten. Das ist sicher ein schlimmes Gefühl. Etwa wenn man jemanden megalieb hat und er dann plötzlich nicht mehr da ist. Also etwa so, wie wenn mein Freund wegziehen müsste. Dann hätte ich vielleicht auch Liebeskummer. Aber ich würde mich sicher bald neu verlieben.

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